diese diskussion lässt mich als lehrerkind aufschreien.
Doch vorweg – bevor etwas falsch verstanden wird: Ich habe explizit NICHTS gegen Zuwanderung und ich habe auch überhaupt kein Problem mit Ausländern. Im Gegenteil. Zu meinen besten Freunden gehören eine Türkin, eine Griechin und ein Kolumbianer. Das vorweg.
nun zum problem – und alles wieder in kleinschrift. jetzt schreien sie wieder – die politiker, die firmenchefs, die gewerkschaften. alle beklagen den massiven fachkräftemangel. niemand scheint da zu sein um dieses große land der dichter und denker und ingenieure ins nächste jahrhundert zu führen.
wir wollen sie von überall herankarren. die fachkräfte. die schlauen leute. denn hier scheinen sie nicht mehr auffindbar zu sein. und das bei weit über vier millionen menschen, die keinen festen job haben.
das ist doch absurd, oder? da muss doch endlich mal laut und deutlich gefragt werden: was ist denn da wirklich schief gelaufen, wenn unter vier millionen arbeitssuchenden keine 200.000 fachkräfte zu finden sind? sind die zu doof? zu faul? sprechen die kein deutsch? selbst wenn, das wäre ja gar kein problem. die forderung wissen zu importieren ist ein schlag ins gesicht für alle, die seit jahren einen job suchen und von der politischen klasse (und dazu zähle ich dax-vorstände ebenso) auf das unvermittelbare abstellgleis geschoben wurden.
wann kapiert dieses land endlich, dass das wichtigste kapital die menschen sind, die in ihm leben? dass diese menschen gefördert und ausgebildet werden, dass sie geschult, umgeschult, mit kompetenzen – sozialer, physischer, psychischer und wissenschaftlicher art – beladen werden.
bildung – so steht es seit jahrzehnten in jedem blöden wahlprogramm ist der schlüssel zu wohlstand, glück, lebensfreude und nachhaltiger demokratie.
bildung – das heißt nicht nur das 1×1 zu lehren und zu erlernen, oder wie das mit der fortpflanzung funktioniert oder wann der 30jährige krieg war. das steht bei google und wikipedia.
bildung – das heißt selbstbewusstsein zu vermitteln, kommunikationskompetenzen, artikulationskompetenzen, reflektionskompetenzen, toleranzkompetenzen, gesundheitliche kompetenzen. bildung findet nicht nur in der schule statt. bildung fängt zu hause an, zieht sich das ganze leben durch jeden einzelnen bereich. bildung – das heißt – so pathetisch das klingt – ein besserer mensch werden.
nichts ist unserem gehirn so nah wie das erlernen neuer dinge. unser gehirn will nichts anderes. der grund ist simpel: unser gehirn ist eine prediction-machine / eine berechnungs-maschine. unser gehirn will wissen was als nächstes passiert und um das einschätzen zu können, muss man es mit wissen füttern.
da draußen bleiben täglich tausende von kindern ungefördert stecken. sie sehen keine perspektive, weil ihnen keine aufgezeigt werden. ihnen wird der zugang zu bildung nicht durch studiengebühren verbaut – das ist quatsch – ihnen wird zugang zu bildung durch ein hohes maß an unattraktivität der lehre verbaut. jedes playstation-spiel ist spannender als in die schule zu gehen und mathe zu pauken. also lernt das gehirn lieber wie es bei diesem playstation spiel weiterkommt.
bis heute lehren wir in der schule als steckten wir immer noch im jahr 1920 – dröge, langweilig, unkreativ, steif, trocken. die hauptkompetenz der schule besteht weiterhin zu vermitteln, dass der lehrer recht hat und wer eine eins bekommt, ist entweder super oder ein streber.
so kommen wir nicht weiter. so lösen wir auch keinen fachkräftemangel. so erhalten wir uns auch nicht unsere demokratie. solange playstation-spiele spannender sind als die form der wissensvermittlung von gesellschaftlich relevanten dingen, haben wir keine chance.