fünf – samstagabend in deutschland

kino. sweeney todd. ein musical. viele im publikum wussten es nicht. alle diese menschen saßen in reihe 1 und in den randsitzen von reihe zwei, drei, vier. sie waren jung – unter 20. vermutlich hier geboren, aber mit fremdem aktzent und fremden begrüßungen. sie waren tierisch nervig. weil sie jedes mal, wenn gesungen wurde (ja, es war ein musical) laut aufgröhlten. was der scheiss solle, warum der nicht normal sprechen solle, wie scheisse der film wäre. nicht alle. es beschränkte sich auf ca. zwei jungs in der ersten reihe, drei mädels in der zweiten und zwei jungs in der vierten reihe. alle kamen sich besonders cool vor. erkannten jedoch nicht ihr problem, als sie es nicht schafften die schnell wechselnden untertitel mitzulesen. sie gingen während gesungen wurde aufs klo. das machte mich aggressiv, ich konnte den film nicht genießen und ich dachte – scheiss nervdeppenidioten und zwang mich daran zu denken, wie viele junge deutschdeutsche nicht mehr richtig lesen können und nicht wissen, was ein musical ist.

wenige minuten später. kiez. reperbahn. auf dem weg von der u3 st. pauli zum hamburger berg. wenige schritte weiter: eine vierergruppe männer (mitte/ende 20 bis anfang 40) auf der flucht. unweit dahinter eine weitere männergruppe, deutsche, ein mann mit glatze und blut im gesicht. wenige schritter weiter: ein krankenwagen, eine menschentraube, ein junges mädchen vor dem krankenwagen, gibt anweisungen wohin mit dem/der verletzten.

diese aggressivität macht mir natürlich auch angst. aber vor allem nervt sie tierisch. sie nervt, weil sie mittlerweile eine so große breite an jungen menschen einnimmt, dass es eine gefühlt gefährlich kritische masse ergibt. als ich zur schule ging, sah ich nur aggressive junge männer bis 20. jetzt sind diese ende 20 und sie sind immer noch aggressiv. und es wachsen viele nach. die, die vor drei jahren noch 14 waren sind jetzt 17 und haben kraft. richtig viel kraft, energie und wollen irgendwohin damit.

und da frage ich mich auch jedes mal: wohin denn damit? wo gibt es möglichkeiten diese energie vielleicht als etwas kreatives oder produktives abgleiten zu lassen? ab in den box-club, an ein projekt gesetzt, vor einen rechner um etwas zu erschaffen? ich glaube man muss diesen leuten/kindern zeigen, dass sie etwas selbst erschaffen können; dass sie diese energie nicht als aggression an anderen auslassen müssen sondern in etwas gutes, sinnvolles, woran sich vielleicht sogar andere erfreuen und wofür sie credits bekommen aus der gesellschaft.

normalerweise sitzt man in der schule, geht nach hause und hat dann eigentlich auch nur noch hausaufgaben zu erledigen. dann mit den kollegen treffen – aber was machen? das war schon zu meiner schulzeit so, dass wir nichts richtig mit uns anzufangen wussten. wir hatten einen basketball, spielten täglich. ich konnte früh ins internet und verschanzte mich da.

aber in der großstadt? ohne Internet? ohne sinnvolle nutzung des netzes? da braucht man jemanden der einen dahin leitet. in zeiten in denen es cool ist abends auf dem lidl-parkplatz zu lungern und leute anzuhupen, fällt es schwer sich für etwas sinnvolles zu motivieren. die kids brauchen eine competition – wie zum beispiel die ganzen beschimpften computerzocker in online-clans. anstatt sich politik und co freuen, dass da tausende gewaltfrei täglich zur schule gehen und ein – für die heutige zeit – sinnvolles hobby haben (schließlich kann man damit tatsächlich geld verdienen), sehen sie nur, dass amokläufer alle counter strike gezockt haben. warum sollte man hundertausenden, friedlichen zockern ihr hobby nehmen weil einige idioten ihr spiel spielten? es wäre als hätte man vor knapp 80 jahren das auto verboten nachdem es den ersten geisterfahrer gab. nur weil sich ein paar alte menschen nicht in ihre kinder denken können.

was ich sagen will: finden wir für unsere jugend keine sinnvolle beschäftigung, finden wir sie immer häufiger auf der straße wieder. können wir ihnen nicht klar machen, dass ihre power nicht in schlägereien umgeleitet werden muss, verlieren wir sie für später. denn im heutigen sozialstaat bekommt keiner mehr gezeigt, dass er arbeiten muss um ein entspanntes leben zu führen. im gegenteil, mit der karre vorm lidl stehen gibt es nahezu gratis.

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