die politik war in einer krise aus der sie sich nicht alleine hätte rausholen können. sie war in der bedeutungslosigkeit junger menschen versunken. nach nazi-deutschland, 68ern und wiedervereinigung stand die jugend ohne probleme da – ohne grund auf die straße zu gehen. krieg im irak? weit weg. terrorismus in den usa? sind die doch selber schuld. in deutschland war es immer kuschelig warm. ein paar nazis haben stress gemacht, aber die sind eh doof und haben kein geld und keine relevanz auf bundesebene. ein paar linke haben ganz schön viel erfolg, aber die sind irgendwie halt noch ein wenig entspannt.
wogegen also protestieren? warum politiker wachrütteln?
es gäbe vieles. manchmal war da auch so ein kleines aufflammen – standards eben: castor-transporte, klimaschutz, schuldenerlass für sehr arme länder. das einfache, greifbare, was jeder versteht. wo es auch mal spaß macht auf den putz zu hauen – manche proteste sind eh nur popkonzerte.
aber was ist mit unserem gesundheitssystem? was ist mit der unterirdischen schulbildung? was ist mit den energiepreisen? ja, das ist alles nicht so toll. aber irgendwann bekommt man immer noch einen termin beim arzt, jeder kann ein abi machen, wenn er schlau genug ist und niemand muss das auto nutzen. dagegen protestieren? das muss doch nicht gleich sein.
aber wieso kommen in deutschland so wenig junge leute auf die idee politik mitzugestalten? richtig: uns geht es zu gut – und politiker sind unsexy, verdienen nicht sonderlich viel geld für die wochenstundenzahl und für den hass den sie ernten und für den stress den sie haben und außerdem sind die nicht auf dem cover von neon, maxim, bravo oder cosmopolitin. was interessiert mich schon politik? die sollen froh sein, wenn ich wählen gehe.
ja, es ist eine eigenartige mentalität, die uns da die letzten 18 jahre eingeholt hat. und dann kam da ein mann in den usa. ein farbiger, ein schlanker, einer der sportlich ist und jung, eine sympathische familie hat, der von wandel und hoffnung, von glauben und gemeinschaft, von träumen und echten menschen spricht. der echt ist, der nah ist, der verdammt noch mal echt cool ist. ein underdog, ein könner, ein messias, unser jesus der politik.
er hat es auf auf alle titelblätter dieser welt geschafft – sogar auf die bravo. seine frau wird zur stil-ikone, seine töchter werden vielleicht ein teil von disney – und er ist einfach nur so perfekt. selbst wenn er fehler und schwächen zugibt wirkt er gerade deshalb perfekt.
in deutschland hätten die meisten obama gewählt. was der eigentlich vor hat? keine ahnung. natürlich nicht. kaum jemand hat über seine pläne berichtet – fast alle haben nur das phänomen beschrieben und fotos gedruckt, auf denen dieser farbige vor einer amerikanischen flagge oder im weißen spotlicht unglaublich heroisch erscheint. unser retter.
ich weiß nicht, was obama schaffen oder machen wird. ich kann nicht einschätzen ob er uns enttäuschen oder nur noch mehr überraschen wird, weil er vielleicht doch der übermensch ist, der nach nur vier jahren als senator als erster farbiger der präsident der vereinigten staaten von amerika ist. der alles repräsentiert wonach sich die menschen derzeit sehnen. ich wünsche es ihm. und ich hoffe wir wünschen uns in acht jahren, dass ein präsident doch mehr als zwei amtszeiten in den usa an der macht sein können müsste.
aber ich bin ihm unglaublich dankbar für etwas ganz anderes: er hat es geschafft, dass sich junge menschen für politik interessieren. junge menschen kaufen sich den spiegel und lesen seine geschichte. erfahren von problemen auf dieser welt, die sie vielleicht noch gar nicht kannten. setzen sich mit gedanken auseinander, die ihnen vielleicht gar nicht gekommen wären.
und vielleicht sind da einige junge menschen dabei, die den traum in sich haben in die politik zu gehen. und die die welt besser machen wollen. die ihre heimat besser machen wollen. die sich von lobbyismus lossagen. die die menschen vor die wirtschaft stellen. denen gemeinsames schaffen wichtiger ist als profilierung.
das ist die hoffnung, die ich habe. ich bin gespannt welche talente unsere politische bühne in den nächsten jahrzehnten betreten wird. vielleicht wird aus dem bideren politiker-job ein sexy CEO of Germany.
wenn obama seine heimat rettet, wird er in den nächsten jahren vielleicht damit die welt retten. ohne dass es ihm bewusst wäre.